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Stiftung Auschwitz
Stiftung Auschwitz

Skulptur

Dan Richter Levin:

„Deklaration eines lebenden Juden", Bronze

 

Die Skulptur steht in einer überlebensgroßen Ausführung in Holz vor dem Stammlager in Auschwitz.


 


Warum eine „Stiftung Auschwitz für die Bundesrepublik Deutschland“?

Ein Memorandum des „Vereins zur Gründung der Stiftung Auschwitz für die Bundesrepublik Deutschland“, der Staatskanzlei des Landes Hessen am 18.03.1997 vorgelegt von Pastor Rudolf Dohrmann, Bücken

I. Der Ansatz

Auschwitz - Birkenau - Monowitz bezeichnen den Ort und das Geschehen an dem Deutschland den tiefsten Punkt, ja Abgrund seiner geschichtlichen, politischen sowie ethisch-kulturellen Entwicklung erreicht hat.
Das gilt für die Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen und Schichten, einschließlich der christlichen Kirchen, haben sie doch Geschichte, Politik, Ethik und Kultur unseres Landes wesentlich bestimmt.


Die Arbeit der Stiftung Auschwitz ist von zwei Überlegungen bestimmt:


1. Die Verfolgung und Vernichtung des europäischen Judentums ist die konsequenteste Form einer von rassistischer Überlegenheit und deutschem Sendungsbewusstsein bestimmten Machtpolitik.
Die Herrschaft des deutschen Menschen germanischer Prägung führt in tödlicher Konsequenz zur Vernichtung durch Arbeit und Ausbeutung sowie durch technisch-industriellen Massenmord aller Menschen und Völker, die nicht „eindeutschungsfähig" sind.
Wer nicht „eindeutschungsfähig" ist, wird geknechtet oder vernichtet oder beides, so die Juden, die Zigeuner, die Slawen, allen voran die Polen und Russen,, die geistig und körperlich Behinderten des eigenen Volkes oder anderer Völker, die Homosexuellen und die politischen Gegner und andere.

 

2. Die Stiftung Auschwitz will mit ihrer Arbeit die Wurzeln dieser Verwahrlosung (= Loslösung von der Wahrheit) aufdecken und so das Ausmaß und die Tiefe der Verwirrung in unserem Volk erkennbar machen.
Indem die Stiftung Auschwitz diese mühsame und langwierige Suche nach Auswegen aus der Verwirrung unternimmt, dient sie dem Heilungsprozess in unserem eigenen Volk ebenso wie dem Zusammenleben mit den von uns erniedrigten und beleidigten Völkern.
Die Arbeit der Stiftung Auschwitz kann und will nicht Vergangenheit bewältigen, wohl aber beitragen, Zukunft zu ermöglichen. Darum stellen wir uns solchen Fragen:
mit den von uns erniedrigten und beleidigten Völkern.
Wie wurden Menschen unseres Volkes zu Täten?
Warum wurden Menschen unseres und anderer Völker zu Opfern? Warum versagten in unserem Volk ale moralischen, religiösen und ethischen Bremsen?
Wie konnten Moral, Religion und Ethik nicht nur nicht bremsen, sondern zum Antrieb oder zur schweigenden oder beredten Rechtfertigung umgemünzt werden?

Wir achten auf Stimmen aus unserem Volk in der Geschichte und Gegenwart und verstehen sie als Weisungen oder Warnungen.

 

II. Stimmen


1. Im Jahre 1943 steht Prof. Kurt Huber mit anderen Mitgliedern der Weißen Rose vor dem Volksgerichtshof in München. Zur Verhandlung und Verkündung der Todesurteile reist der Präsident des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, eigens von Berlin nach München. Freisler fragt den Philosophen Huber:
„Kennen Sie Fichte?"
Huber antwortet unter Berufung auf Kants kategorischen Imperativ mit den Worten Fichtes:
„Und handeln sollst du so, als hinge von dir und deinem Tun allein das Schicksal ab der deutschen Dinge und die Verantwortung wär dein."
Ein so im Gefolge Kants verstandener Fichte kann, muss aber nicht in oberflächlichen Patriotismus verfälscht werden (Am deutschen Wesen ...). Vielmehr haben Huber, die Scholls, A. Schmorell, W. Graf, Chr. Probst u.a. darin die Verankerung ihrer sittlichen Verantwortung und patriotischen Pflicht gesehen, die sie um ihres Gewissens willen nur noch im Widerstand leben konnten. 1


2. Adolf Leschnitzer schreibt:
,Es war mehr als ein klassischer Vergleich, als der 73-jährige Goethe, nachdem er dem Spiel des 12-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy gelauscht hatte, zu ihm die ergreifenden Worte sprach: 'Du bist mein David. Sollte ich krank und traurig werden, so banne die bösen Träume durch dein Spiel. Ich werde auch nie mit dem Speer nach dir werfen." 2
Was haben die Nachfahren Goethes getan? Sie zertrampelten und vergasten mit den Nachfahren Mendelssohn-Bartholdys auch die kulturell-ethischen Werte der deutschen Klassik und Humanität. An die Stelle von Respekt und Dank trat die pure Barbarei.


3. Adolf Hitler kündigt an:
„So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herren." 3
Der Sündenbock war markiert, die historische Mission deklariert. Latenter Antisemitismus, kirchlich gesegnet oder verschwiegen, jedenfalls kaum widersprochen und gar nicht bekämpft, konnte seinen furchtbaren Lauf nehmen.
Unverschämt und unglaublich nimmt Hitler den Namen des Schöpfers und Herrn unverfroren für seine Mordabsichten in Anspruch. Das Volk ebenso wie die Kirchen nehmen diesen Satz aus „Mein Kampf" nicht ernst oder gar nicht zur Kenntnis. Die Kirchen schweigen weithin. Orientierung und Gewissensschärfe gehen verloren. Einfachste und selbstverständlichste Bürgerrechte werden im Angesicht des Volkes verletzt, vom Volk schweigend oder johlend toleriert. Die Gewöhnung an das alltägliche Unrecht beginnt sofort nach der Machtergreifung. Politische Hybris wird mit christlicher Verklärung zur Staatsräson!


4. Im Mai 1934 hat die erste Reichssynode der Bekennenden Kirche die „Theologische Erklärung" von Barmen verabschiedet, mit der sie sich in Sätzen des Glaubens und Verwerfens gegen den NS-Einfluss auf die Kirche zur Wehr setzt. Aber die Sprache ist zu theologisch, zu wenig politisch. Kenner wissen, was gemeint ist, aber das Volk nicht, nimmt auch zu wenig wahr, was dort wirklich verhandelt worden ist.
Im Juni 1934 folgt mit dem „Ansbacher Ratschlag" lutherischer Kirchenführer und Theologen die Antwort auf die Theologische Erklärung: Wir sind
„einer bestimmten Familie, einem bestimmten Volk und einer bestimmten Rasse zugeordnet. Indem uns der Wille Gottes ferner stets in unserem Heute und Hier trifft, bindet er uns auch an den bestimmten historischen Augenblick der Familie, des Volkes, der Rasse, d.h. an einem bestimmten Moment ihrer Geschichte. In dieser Erkenntnis danken wir als glaubende Christen Gott dem Herrn, dass er unserem Volk in seiner Not den Führer als „frommen und getreuen Oberherrn" geschenkt hat und in der nationalsozialistischen Staatsordnung „gut Regiment", ein Regiment mit „Zucht und Ehre" bereiten will. Wir wissen uns daher vor Gott verantwortlich, zu dem Werk des Führers in unserem Beruf und Stand mitzuhelfen." 4
Verblendung und Verführung können nicht überboten werden. Das Ermächtigungsgesetz war erlassen, die Entrechtung und Erniedrigung der Juden, der Kommunisten, der Sozialdemokraten, Gewerkschafter, auch Konservativer waren bereits weithin sichtbar, der Röhmputsch hatte die mörderische Seite des Regimes offenbart, die ersten Konzentrationslager füllten sich.
Die Kirchen werden zum Deckmantel der Bosheit (1.Petrusbrief 2,16). Die Gleichschaltung geschieht in einem atemberaubenden Tempo.
Historisch lässt sich nachweisen, wie Antisemitismus, Antikommunismus und Antipazifismus innerhalb der Kirchen schon seit vielen Jahrzehnten Hand in Hand gehen.


5. Der „Arbeiterwiderstand in Frankfurt"  5 ist ein Beispiel, wie sich Arbeiter und Gewerkschaften gegen das System von Führer und Gefolgschaft im Industriebetrieb wehren. Die Ausschaltung der Gewerkschaften führt zur weitgehenden Gleichschaltung der Arbeiterschaft. Das NS-System gewinnt in kurzer Zeit die Herrschaft über die Industriebetriebe. Die brutale Unterdrückung der organisierten Arbeiterschaft und die systematische Umstellung der Produktion auf Kriegsvorbereitung gehen Hand in Hand. Die dadurch erreichte schnelle Verbesserung der Arbeitsmarktlage und die Aussicht auf große Gewinne schläfert viele Gewissen auf allen Seiten ein. Die Verwertung, sprich: totale Ausbeutung der Sündenböcke - vor allem Juden, Slawen, Kommunisten u.a. - durch Zwangsarbeit steigert den wirtschaftlichen Profit und führt schließlich zur Vernichtung durch Arbeit in Auschwitz - Birkenau - Monowitz und unzähligen Lagern und Nebenlagern.


6. Lange und tiefgehend ist die Bereitschaft in Deutschland erzeugt worden, unter bestimmten wirtschaftlichen ('Erzeugungsschlacht') und kulturellen Bedingungen ('Volksgemeinschaft') einer diktatorischen Staatsmacht eine weitreichende, bisherige Moral, Religion und Ethik beiseiteschiebende Vollmacht einzuräumen. Ermächtigungsgesetz, Nürnberger Gesetze, Kriegsvollmachten für Hitler, Wannsee-Konferenz und Generalplan Ost sind sich steigernde Stufen auf dem Weg zur Weisung Hitlers durch das Oberkommando der Wehrmacht (!) vom 13.Mai 1941 - sechs Wochen v o r dem Fall Barbarossa, Überfall auf die Sowjetunion - in der Angehörige der Wehrmacht pauschal (man denke an die verlogene Debatte um die Hamburger Wehrmachtsausstellung) ebenso wie das mehr oder weniger zivile Gefolge der Wehrmacht (Eisenbahner, Verwaltungsbeamte, Apotheker, Förster u.a.) von vornherein außerhalb der Strafverfolgung gesetzt werden, wenn sie sich eines Verbrechens an feindlichen Militär- oder Zivilpersonen schuldig machen würden. 6
In dieser Moral und Ethik, Religion und Kultur ausradierenden Enthemmung von Staats wegen werden die eliminatorischen Elemente aller jener Schritte der NS-Innen- und Außenpolitik deutlich. Anders als an der Westfront lässt Hitler an der Ostfront und in der Praxis des Generalplanes Ost alle moralischen Hüllen fallen, um sich der Masse der Sündenböcke - Juden und Slawen - durch Sklavenarbeit, Erschießungen und Vergasung zu bemächtigen und schließlich zu entledigen. Ermächtigen - bemächtigen - erledigen sind die Schlüsselworte des NS-Katechismus.


7. Auf diesem Hintergrund wirkt die Regierungserklärung Adenauers unmittelbar nach der Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland am 20. September 1949 geradezu gespenstisch. Norbert Frei markiert dis Gegensätze zwischen Kurt Schumacher und Konrad Adenauer als Wegzeichen zweier sehr unterschiedlicher Entwicklungslinien des Umganges mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland.
Norbert Frei:
„Dem Oppositionsführer vorbehalten blieb der halbwegs klare Satz: „Die Hitlerbarbarei hat das deutsche Volk durch Ausrottung von sechs Millionen jüdischer Menschen entehrt." Merkwürdig freilich, dass der SPD-Vorsitzende den Aspekt der „Entehrung" der Deutschen so sehr herausstellte und erklärte, an deren Folgen „werden wir unabsehbare Zeit zu tragen haben." -Aber sprach daraus nicht auch eine Befangenheit ganz ähnlich jener, die Adenauer hatte formulieren lassen, er halte es „für unwürdig und für an sich unglaublich, dass es nach all dem, was sich in nationalsozialistischer Zeit begeben hat, in Deutschland noch Leute sein sollten, die Juden deswegen verfolgen oder verachten, weil sie Juden sind." Die verqueren Worte des Kanzlers deuteten vieles schon an, was in den Debatten der nächsten Monate und Jahre immer wieder zu Tage treten sollte." Soweit Norbert Frei. 7

8. Es blieb Franz-Josef Strauß vorbehalten, dieser Entwicklung die Krone aufzusetzen:
„Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen." 8
Also: Wirtschaftswunder erledigt Vernichtungs"wunder"?!
Hatte da jemand von Moral und Ethik, Religion und Kultur gesprochen?
Der Hitler in Strauß hat gesiegt. Nur in Strauß?

 

III. Person und Gemeinschaft


Der Verein zur Gründung der Stiftung Auschwitz für die Bundesrepublik Deutschland arbeitet seit 1988, in seinen Vorläufern sogar schon seit 1974.
Die durch Goldhagen angeregte Debatte über Hitlers willfährige Helfer im Jahr 1996 und die neuerlich verschärft geführte Diskussion um die Hamburger Wehrmachtsausstellung haben den Verein und seine MitarbeiterInnen nicht überrascht. Immer war die Frage nach den Tätern und ihrem Einfluss auf unser Volk wach. Wie gehen insbesondere Angehörige der nachgeborenen Generationen mit der Erkenntnis um, dass durch die NSDAP und ihre vielfältigen Gliederungen im deutschen Volk längst vorhandene Gedanken und Verhaltensweisen (Obrigkeit, Befehl, Gehorsam, Pflicht, Gott) aufgenommen und nachhaltig für unser ganzes Volk und für Teile Europas in Anspruch genommen wurden. Der biblische Prophet Hesekiel hilft, eine von Verkrümmungen freie Denk- und Verhaltensweise zu finden, Kapitel 18, Verse 20 und 21:
„Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allein zugute kommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen.
Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er am Leben bleiben und nicht sterben."
Die einzelne Person in der jeweiligen Generation wird in der Verantwortung für die Wahrung des Gesetzes, für die Einübung in das Recht und für das Streben nach Gerechtigkeit gesehen. Leben des Einzelnen und Leben in der Gemeinschaft werden nicht aus der Verankerung in Gott gelöst.
So bleiben Person und Geschichte, Einzelner und das jeweilige politische System in einem nicht aufzulösenden, spannungsvollen Verhältnis. Die Verwahrlosung in unserem Volk liegt in der Loslösung des Einzelnen wie der sozialen Gemeinschaft oder des politischen Systems aus dem Zusammenhang mit dem Gesetz, dem Recht und der Gerechtigkeit. Privatisierende Unentschiedenheit ist gleichbedeutend mit der Aufgabe der ethischen Gründung des Einzelnen wie der sozialen Gemeinschaft. Der Verein zur Gründung der Stiftung Auschwitz steht in seiner bisherigen Arbeit für die Wiedergewinnung dieser ethischen Gründung des Einzelnen wie der sozialen Gemeinschaft, die selbstverständlich über die staatlich-nationalen Grenzen hinausreicht.
Die noch für Jahrzehnte zu leistende Arbeit besteht im Kampf gegen die Verwahrlosung und Verwilderung des Einzelnen wie der sozialen Gemeinschaft.

 

IV. Die bisherige Arbeit

 

Die pädagogische Arbeit des Vereins zur Gründung der Stiftung Auschwitz zielt darauf, die Dokumente über die NS-Herrschafts- und Vernichtungspolitik in den Zusammenhang mit der Biographie des Einzelnen oder der Geschichte ganzer Organisationen (Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Bildungseinrichtungen Industriebetriebe, Vereine) zu rücken;
und umgekehrt: die Biographie des Einzelnen und seiner Zugehörigkeit zu Organisationen und Berufsgruppen (Parteimitgliedschaft, Mitgliedschaft in Gewerkschaften, Kirchen, Zugehörigkeit zu Berufsgruppen wie z.B. Ärzte, Juristen, Eisenbahner, [Wehr-] Bauern u.a.) zu bestimmten Dokumenten in Beziehung zu setzen.
Materialien gibt es mehr als genug. Die Vergegenwärtigung ist die Aufgabe.

Die Wege

1. Der Verein stellt seine Dokumentationswerkstatt ebenso wie die umfangreiche Personen- und Sachkenntnis aller Mitarbeitenden den vielen Spurensuchern und Geschichtswerkstätten auf lokaler und regionaler Ebene zur Verfügung (s. auch Gabi Schindler: Bestandsaufnahme der Aktivitäten zum Themenbereich 'Nationalsozialismus / Holocaust' im Raum Frankfurt am Main, September 1994).


2. Auschwitz - Birkenau - Monowitz symbolisieren ein internationales Netz der NS-Vernichtungspolitik in ganz Europa. Der Verein steht seit der Gründung 1988, durch einzelne MitarbeiterInnen schon seit Jahrzehnten mit den großen Forschungs- und Dokumentationswerkstätten in Verbindung. Das gilt besonders für die Verbindung mit der Gedenkstätte Auschwitz, mit Yadvashem in Jerusalem, mit dem belorussischen Nationalarchiv in Minsk. Es finden wissenschaftliche Seminare mit MitarbeiterInnen der internationalen sowie nationalen Gedenkstätten statt. Gegenseitige Besuche vertiefen die Beziehungen. Austausch von Referenten, Ausstellungen und Materialien verbessern die Arbeit bei allen Beteiligten. Yadvashem ist einen Schritt weitergegangen und hat dem Verein die Institutionalisierung gemeinsamer Erinnerungsarbeit angeboten.


3. Auf nationaler Ebene gehören u.a. Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen und Ravensbrück zu den Gedenkstätten, mit denen der Verein zusammenarbeitet.


4. Studienfahrten mit interessierten Gruppen aus den unterschiedlichsten Organisationen, Institutionen und Vereinen in unserem Land führen nach Polen, Israel und in die GUS-Staaten.


5. Jugendliche und junge Erwachsene gehen als Arbeits- und Studiengruppen in die Gedenkstätten. Lernen im doppelten Sinne: morgens auf der Rampe in Birkenau Unkraut begreifen und entfernen (denn es soll weder Kraut noch Unkraut darüber wachsen!), nachmittags Dokumente über das Geschehen auf der Rampe in Birkenau begreifen und aufnehmen.


6. Besuche und Gegenbesuche von Zeitzeugen und jungen Leuten aus Polen, Israel und den GUS-Staaten zwingen zu Gesprächen darüber, wie und mit welchem Ziel im jeweiligen Land das Vergangene vergegenwärtigt werden kann. Wenn solche Gruppen 8 bis 14 Tage miteinander verbringen, stellt sich unweigerlich die Frage ein, wie sieht das 'Nie wieder Faschismus' der Opfergeneration im Land der Täter im Denken, Reden, Handeln der heutigen Generation aus?


7. Ausstellungen mit polnischem-, israelischem, russischem und deutschem Material (Photos, Dokumente, Kunstwerke) in Verbindung mit Berichten von Opfern haben zu Besuchen von über 3000 jungen Menschen innerhalb von drei bis vier Wochen geführt; so in Frankfurt/Main, Gießen, Stendal. Wochenlange Vorbereitungsarbeit mit Lehrerkollegien und Schülern zahlte sich aus. Die Gedenkstätte Auschwitz stellte dem Verein die einst für die UNO konzipierte Ausstellung „Auschwitz - das Verbrechen gegen die Menschheit" für die Dauer eines Jahres zur Verfügung. Die vom Verein erarbeitete Ausstellung „Täter in Auschwitz" fand und findet großes Interesse in Deutschland (alte und neue Bundesländer), Österreich und Israel. Die vom Verein angefertigte englische Version der Bilderklärungen ist auch im Blick auf die Anfragen aus England und den USA nützlich. In Israel muss die bereits ein Jahr dauernde Ausstellungszeit an verschiedenen Orten des Landes verlängert werden. Das überraschend große Interesse in Israel hat dem Verein erneut die Grenzen seiner Präsenzfähigkeit aufgezeigt. Wie können sich ehrenamtlich tätige MitarbeiterInnen des Vereins für längere Zeit für die gewünschte Begleitung der Ausstellung im In- und Ausland zur Verfügung stellen?


8. Kulturelle Veranstaltungen anderer Art wecken das Interesse und die
Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Thema Auschwitz. So die
- Tanzveranstaltungen der German-Jewish Dance Group aus Philadelphia/USA
- die Tanzkünstlerin Eva Weißmann, Freiburg, mit ihrer Performance 'Das getanzte Kreuz'
- der Arzt und Maler/Skulpteur Dr.Dan Richter Levin aus Israel - die Lesungen wie z.B. mit Ruth Elias, Israel

- der Liederabend mit Daniel Kempin und seinen jiddischen Liedern zur Gitarre
- die musikalischen Veranstaltungen mit Chören und Instrumentalisten aus Israel, Deutschland, Polen, Lettland, Belarus, Rußland.


9. Schüler und Studierende möchten Material für Klassen-, Seminar- und Examensarbeiten. Den Verein erreichen viele Bitten von Einzelnen und Gruppen um Vermittlung von Zeitzeugen.


10. Für die so notwendige und fruchtbringende Korrespondenzarbeit steht dem Verein keine Person zur Verfügung.


11. Kommunen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchengemeinden, Volkshochschulen und andere Bildungseinrichtungen wünschen Beratung in der Erarbeitung des lokalen NS-Geschehens.


12. In Begegnungen mit Überlebenden von Auschwitz und anderen Konzentrationslagern sind Interviews, Ton- und Videoaufnahmen entstanden. Ob Ton- oder Bildaufnahmen, ob schriftliche oder auf Tonträgern festgehaltene Dokumente, alle diese Materialien benötigen Pflege, damit sie lange von vielen benutzt werden können. Auch dafür fehlt dem Verein eine geeignete Person, weil die Mittel fehlen.


13. Viele Begegnungen mit Überlebenden brauchen einen fast familiären Rahmen, jedenfalls einen kleinen Kreis Vertrauter. Die Überlebenden sind alt und erschöpft, viele sind krank. Der Verein macht Erholungsangebote. An der Arbeit des Vereins interessierte Schweizer haben seit vielen Jahren ihr Pensionshaus immer wieder sehr kostengünstig angeboten. Der Verein benötigt zwei, drei solcher Wohltäter mehr, damit solche Erholungszeiten in guter Atmosphäre und schöner Umgebung immer wieder möglich werden. Von Seiten der Mitglieder ist immer viel Zeit, Kraft und Geld für diese Zwecke aufgebracht worden.

 

V. Ehrenamtliche und Professionelle



Alle bisherige Arbeit des Vereins ist ehrenamtlich und unentgeltlich gemacht worden.
Alle mitarbeitenden Mitglieder des Vereins sind immer wieder an den Rand ihrer psychischen, physischen sowie finanziellen Möglichkeiten geraten. Manchmal entstanden auch mittlere finanzielle Katastrophen. Die im Verein vorhandenen Kenntnisse von Überlebenden, von Fachleuten in internationalen und nationalen Institutionen, die im Verein vorhandenen Kenntnisse des Materials könnten weitaus besser genutzt werden. Die Multiplikation der Arbeit könnte wesentlich verstärkt werden, wenn zunächst wenigstens zwei Vollzeitpersonen, eine geschäftsführende und eine pädagogische, beschäftigt und bezahlt werden könnten.
Dabei steht für die im Verein Tätigen fest, dass wir weder jetzt noch in Zukunft die Mitarbeit der Ehrenamtlichen im Verein (und dann in der Stiftung) schmälern möchten. Überlebende und sich mit den Überlebenden solidarisierende Personen jeden Alters aus dem Land der Täter haben die ehrenamtliche Arbeit geleistet.
Dieser Prozess, insbesondere die damit verbundenen menschlichen, politischen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat alle Beteiligten gestärkt und ermutigt. Sie sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, dem Erbe von Auschwitz und der gemeinsamen Zukunft verpflichtet, egal ob sie Überlebende oder Nachgeborene, Juden oder Christen, Deutsche oder Ausländer, Junge oder Alte, Kommunisten oder Konservative sind.
Wir, die Mitglieder des Vereins, haben die Grenze der ehrenamtlichen Möglichkeiten erreicht.
Wir sind dringend auf Hilfe angewiesen, damit die Stiftung Auschwitz zu einer Stiftung für das Leben der (noch) Überlebenden und der kommenden Generation wird.
In Respekt und Dank vor allen toten und lebenden Opfern von Auschwitz - Birkenau - Monowitz wollen wir mit der Stiftung Auschwitz weiterhin an den Grundlagen für ein menschliches Zusammenwirken der Einzelnen und der Völker arbeiten und in Achtung des Gesetzes, in
Übung des Rechtes nach der größeren Gerechtigkeit streben.


VI.Finanzen

Welche finanziellen Mittel haben dem Verein zur Gründung der Stiftung Auschwitz bisher zur Verfügung gestanden?


- Die jährlichen Mitgliedsbeiträge haben DM 2000.- kaum überschritten, also bestenfalls Portokasse.


- Die mietfreie Nutzung der Räume der Ev. Dreifaltigkeitsgemeinde in Frankfurt am Main für die Zwecke des Vereins hat die Arbeit sehr erleichtert.


- Der Beschluß des Kirchenvorstandes in Verbindung mit dem Ev. Regionalverband, der künftigen Stiftung kostengünstige Räume in einem Gebäude an der Solmsstraße in Frankfurt anzubieten, eröffnet gute Perspektiven.


- Die Kosten aller Veranstaltungen und Studienfahrten sind von den Teilnehmern selbst getragen worden.


- Ausstellungen, Teilnahme ausländischer Gäste an Seminaren und wissenschaftlichen Gesprächen, Interviews, Ton- und Videoaufnahmen haben wir durch Zuschüsse öffentlicher Einrichtungen, Firmen und vor allem Spenden einzelner Personen finanziert.


- Die Kosten für die Unterbringung von Gästen aus dem In- und Ausland für wenige oder mehrere Tage wurden jahrelang von Mitgliedern des Vereins und der Ev. Dreifaltigkeitsgemeinde übernommen.
Es trifft wohl zu: bisher haben wir mehr mit Glauben = Vertrauen, mehr mit Credo = Kredit als mit Geld gearbeitet. Daß es möglich war, für Jahre so zu arbeiten, haben wir Vielen zu danken.


- Inzwischen ist die Arbeit so gewachsen, dass wir für den Fortgang nach anderen Grundlagen suchen müssen, damit Planung und Durchführung der Arbeit besser gewährleistet sind.


VII. Der Ort - das Denkmal - lebende Steine

 

Das einzig angemessene Denkmalfür das Geschehen in Auschwitz -Birkenau - Monowitz haben die Deutschen längst und für 'unabsehbare Zeiten' (Kurt Schumacher) gesetzt.Ein Denkmal in Berlin, geschmückt mit dem Titel 'Nationale Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust' ist gefährlich und verlockt zur Flucht und zum Vergessen. Das Schicksal der Gedenkstätte für den Widerstand gegen Hitler in der Bendlerstraße sollte warnen. Einmal im Jahr ist nationales Gedenken an den Widerstand angesagt.
Wer Auschwitz sagt, Birkenau und Monowitz, der kann die jüdischen Opfer nicht übersehen oder in ihrer Bedeutung relativieren. Wer Auschwitz sagt, sieht auch die sowjetischen Kriegsgefangenen, die als erste große Gruppe in Auschwitz vergast wurden, sieht die polnischen Bürger aus allen Bereichen des polnischen Volkes, die durch Sklavenarbeit, Erschießungen und Vergasungen umgebracht wurden, der sieht die Angehörigen der Sinti und Roma, die ins Gas getrieben wurden, der sieht die Homosexuellen, wie sie erniedrigt und ermordet wurden, der sieht die politischen Häftlinge aus allen Schichten und Ländern Europas, die beseitigt wurden, weil sie nicht in die Neuordnung Europas im Sinne der Nazis passten.
Nein, wer zum längst gesetzten, von Deutschen im Namen des deutschen Volkes gesetzten Denk - Mal in Auschwitz - Birkenau - Monowitz geht, der kommt aus dem Sehen und Hören gar nicht mehr heraus, dem vergeht Hören und Sehen. So mächtig ist der Ort, so abschwächend und verflachend muss jedes Denkmal bleiben.
Der geschichtliche Ort ist zugleich zu einem Symbol geworden. Wir brauchen beide;: den geschichtlichen Ort und die symbolische Bedeutung des Ortes.
Sowie die nationalsozialistischen Ideen bis in die letzten Winkel unseres öffentlichen wie privaten Lebens eingedrungen waren, so ist   nach Auschwitz ein Leben mit Auschwitz für den Einzelnen wie für unsere soziale Gemeinschaft zu einer Bedingung unseres moralischen, ethischen, kulturellen, religiösen sowie politischen Lebens geworden. Gerade weil wir diese Arbeit des Vereins tun, wissen wir, wie sehr diese Überzeugung nur für eine Minderheit gilt. Aber dennoch!
Die symbolische Kraft des konkreten geschichtlichen Ortes - nicht ein noch so 'gelungenes (?) Denkmal' - kann uns helfen, vieles zu tun: Wir können helfen, den geschichtlichen Ort Auschwitz - Birkenau -Monowitz zu erhalten; zu erhalten, nicht zerfallen zu lassen-,
wir können hingehen, hinsehen, hinhören; nicht vorbeigehen, wegsehen, weghören;
wir können den Toten und den Überlebenden Achtung erweisen und ihnen danken; achten und danken, nicht verachten und vergessen.
So verwandelt sich unser Denken und Verhalten nicht in gelegentliches `mal denken', vielmehr werden wir selbst zu lebendigen Steinen, die anfangen zu schreien, wenn wieder Sündenböcke, Ausländer oder Homosexuelle oder andere Gruppen, in unserer Gesellschaft verfolgt werden.
Auschwitz - Birkenau - Monowitz ist der Ort, an dem die selbsternannten Herrenmenschen die zu Untermenschen gestempelten Völker vernichten wollten und schon in einem unvorstellbarem Maße vernichtet haben.
Nicht akademische Diskurse über Auschwitz oder tiefe Gedanken über die ästhetischen Aspekte eines Denkmales bewahren uns vor dem Verdrängen und Vergessen, vielmehr: Hingehen zum konkreten geschichtlichen Ort. Die symbolische Kraft des Ortes als Vermächtnis der toten und lebenden Opfer verstehen, ein Vermächtnis, dass dem Leben aller Menschen in Frieden und Gerechtigkeit dient.


1. Kurt Huber, Stationen seines Lebens in Dokumenten und Bildern, Gräfelfing 1986, 5.109 f.
2. Adolf Leschnitzer, Saul und David, die Problematik der deutsch-jüdischen Lebensgemeinschaft, Lambert 3. Schneider, Heidelberg, 5.7: Prolog, Betrachtungen zu einem Ausspruch Goethes
4. 3 Adolf Hitler, Mein Kampf, Zentralverlag der NSDAP, Frz. Eher Nachf., München, 5.70, gesperrter Druck des zweiten Satzes durch A.H. selbst
" Die Bekenntnisse des Jahres 1934, eingeleitet von K.D. Schmidt, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1935, . S. 102 ff., dort auch die Barmer Theolog. Erklärung
5 Barbara Mausbach-Bromberger, Arbeiterwiderstand in Frankfärt, Räderberg Verlag, 1976
6 Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion, hers. Von Gerd Ueberschär/Wolfram Wette, Fischer; Frankfurt 1991, 5.252 f
7. Norbert Frei, Vergangenheitspolitik, Beck, München, 1996, 5.28
8. Die ZEIT. 7.10.1988


 

Auschwitz Stammlager Lagertor

 
Auschwitz - Stammlager - Lagertor

 

 

  

 

Auschwitz Birkenau Lagertor

 
Auschwitz - Birkenau - Lagertor

 

 

 

Auschwitz Birkenau Luftbild


Auschwitz - Birkenau - Luftbild